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Pressebericht

Podiumsdiskussion der Liberalen: Fachleute plädieren für mehr Kontinuität im Bildungswesen


"Wo ist denn hier die nächste Schule?"
4.12.09 07:49


von: BEATRIX KOBERSTEIN, ALTMARKZEITUNG 04.12.2009





Hans-Albert Schulz (v.l.), Gerry Kley, Lutz Franke, Michael Ziche, Falco Pabst und Dr. Rainer Bartholomai sorgten für eine kurzweilige Podiumsdiskussion im Salzwedeler 'Hanseat'. Leider waren nur etwa ein Dutzend Gäste der Einladung gefolgt, über ein so wichtiges Thema wie es die Bildung im ländlichen Raum darstellt, zu diskutieren. Foto: Koberstein

(Quelle:Altmarkzeitung vom 4.12.2009)
SALZWEDEL. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Schüler im Altmarkkreis Salzwedel durch Geburtenknick und Abwanderung um mehr als die Hälfte verringert. Zahlreiche Bildungseinrichtungen mussten geschlossen werden. Um die wohnortnahe Schulversorgung auch künftig zu sichern, werden gerade in der Altmark neue Ideen benötigt. Doch wie soll die ländliche Schule der Zukunft aussehen? Darüber wurde am Mittwochabend im Salzwedeler "Hanseat" diskutiert.

40 Einwohner teilen sich derzeit einen Quadratkilometer Fläche im Altmarkkreis - theoretisch. Diese Zahl lässt sich auch bei einer Kreisfläche von 2 300 Quadratmetern nicht schön reden. Im Gegenteil. Die große Fläche stellt eine besondere Herausforderung für den Schülerverkehr dar. Und das, bei schrumpfenden Schülerzahlen. 16 000 Schüler gingen vor zehn Jahren im Altmarkkreis zur Schule. Derzeit sind es noch gut 7 000. Im Schuljahr 1994 / 95 glänzte der Kreis mit 38 Grundschulen, 20 Sekundarschulen und sechs Gymnasien. Aktuell sind es 25 Grundschulen, neun Sekundarschulen und drei Gymnasien. Die Zahlen, die Landrat Michael Ziche am Mittwochabend im "Hanseat" vortrug, stimmten nachdenklich. Positiv erschien erst einmal nur, dass der Landkreis mit der Fortschreibung der mittelfristigen Schulentwicklungsplanung die vorhandenen Schulen bis 2018 in ihrem Bestand sichert. Doch was kommt danach, wie sieht die Zukunft aus? Dieser Frage sollte während der Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung auf den Grund gegangen werden. Neben dem Landrat hattes sich Organisator Walter Hopf vom Liberalen Forum mit Gerry Kley, Bildungspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Hans-Albert Schulz, Sekundarschulleiter Dähre, Falco Pabst, Grundschulleiter Henningen, und Dr. Rainer Bartholomai, Schulleiter am Gymnasium Lüchow, kompetente Fachleute ins Boot geholt. Der FDP-Landtagsabgeordnete Lutz Franke moderierte den Abend.

"Die Standorte sind sicher. Aber das Schulsystem muss umgestellt werden", griff Gerry Kley das Thema auf. Mit der flexiblen Schuleingangsphase, dem jahrgangsübergreifenden Unterricht und der Integration von Förderschülern sei man auf dem richtigen Weg. Sachsen-Anhalt müsse endlich zur Ruhe kommen und nicht ständig neue Modelle anbieten, sagte der FDP-Politiker, dem vor allem auch das dauernde Umsetzen von Lehrern ein Dorn im Auge ist.

Hans-Albert Schulz hält das lange gemeinsame Lernen für wichtig. Seiner Meinung nach sei es falsch, Kinder zu früh aufs Gymnasium zu schicken. Lange Busfahrten, der lange Schulalltag, viele Hausaufgaben - diesem Druck seien nicht alle Kinder gewachsen. Ihm seien Fälle bekannt, wo Kinder völlig ausgebrannt an die Sekundarschule zurückkehrten. Für Kontinuität plädierte Dr. Rainer Bartholomai. Lüchows Schulleiter, der vor Jahren am Salzwedeler Kollwitz-Gymnasium unterrichtete, sagte, dass nur eine Stabilität des Systems eine hochwertige Bildung hervorbringen würde. "Man ist müde, in einem ständigen Reformprozess verschlissen zu werden."

Michael Ziche sprach in diesem Zusammenhang ein weiteres Problem an: den Lehrermangel, von dem besonders der Norden des Altmarkkreises betroffen sei. "Ständig kommt es zu Lehrer-Verschiebungen. Das Land hat die Pflicht und Schuldigkeit, den Bedarf sicherzustellen", forderte er.

Nicht nur der Lehrermangel, auch das Alter der Pädagogen ist ein Problem. In der Sekundarschule Dähre - einer Schule ohne Schulabbrecher und nur einem einzigen Sitzenbleiber im vergangenen Jahr - ist das Lehrer-Durchschnittsalter 50 Jahre. Sicherlich sei Erfahrung wichtig, so Schulleiter Schulz. Er plädierte aber auch für frischen Schwung, den junge Pädagogen mitbrächten. Sabine Just, Schulleiterin in Pretzier, konnte das aus dem Publikum heraus bestätigen. Bereits seit 20 Jahren hätte die Schule keine jungen Kollegen erhalten. Henningens Direktor Falco Pabst wünscht sich, dass künftig auch Lehrer gefragt und gehört werden, und dass ihre Ideen in die politische Arbeit eingebracht werden.






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